
29. März 2025 Ausbau der Grundschule Nals: Wie ein transparentes Projekt zur polemischen Zielscheibe wird
Erwiderung auf die Pressemitteilung von „Nals Aktiv“
Wenn der Wahlkampf „wütet“, dann leidet offenbar nicht nur der Ton, sondern auch das Gedächtnis. Anders lässt sich die jüngste Aussendung von „Nals Aktiv“ nicht erklären – sie ist eine Mischung aus selektiver Erinnerung, skurrilen Verzerrungen und gezieltem Populismus.
Bereits im Jahr 2022 – zu Beginn dieser Amtsperiode – hat Gemeindereferentin Angelika Ebner (SVP) öffentlich und nachvollziehbar darauf hingewiesen, dass die demografische Entwicklung spätestens im Schuljahr 2027/28 einen ersten zusätzlichen Klassenraum erfordert und ein Zubau der Schule nötig ist. In die Prognose flossen die meldeamtlich erfassten Geburten von Nals ein, beobachtet wurden auch die Geburtenraten des Tisner Ortsteils Schernag und die Zuzüge in den neu erbauten Mehrfamilienhäuser.
Was folgte, war ein vorbildlicher, vom Sommersemester 2023 bis zum Wintersemester 2023/24 dauernder partizipativer Prozess, begleitet von der Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck. Professorin Judith Prossliner, Professor Eric Sidoroff, Architekt Felix Perasso und Josef Watschinger, der sich als Pädagoge und ehemaliger Schuldirektor viele Jahre mit dem Zusammenwirken von Architektur und Didaktik befasst hat, begleiteten das Vorhaben. 19 Studentinnen und Studenten beschäftigten sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit intensiv mit dem wunderschönen historischen Schulgebäude und waren in dieser Zeit insgesamt sieben Tage vor Ort in Nals. In verschiedenen Workshops fand ein intensiver Austausch zwischen den Studenten, den Professoren, den Schulkindern, den Lehrerinnen, den interessierten Eltern und den Gemeindereferenten statt. Erste Visionen und Szenarien wurden entwickelt; ein gemeinsamer Schulbesuch an der neuen Grundschule von Sinich brachte ebenfalls wichtige Anregungen.
In einem zweiten Schritt planten dann die angehenden Architekten gemeinsam mit den Professoren an der Universität weiter. Die verschiedenen Raumprogramme und Entwurfskonzepte wurden im Februar 2024 in Nals, auch in Anwesenheit von Vertretern der Bürgerliste „Nals Aktiv“, der Öffentlichkeit vorgestellt und halfen bei der Entscheidungsfindung, wie unsere Grundschule sich weiterentwickeln kann und soll. Der Gemeinderat von „Nals Aktiv“ Christian Schweigkofler lobte damals „den in Nals noch nie dagewesenen, einzigartigen partizipativen Prozess“.
Das Lehrerkollegium von Terlan erarbeitete anschließend das für einen Schulbau nötige „Organisationskonzept mit pädagogischer Ausrichtung“ und hat dieses im Mai 2024 beschlossen.
Wer heute von Überrumpelung spricht, war entweder nicht aufmerksam oder will bewusst täuschen. Während dieses langen Prozesses hat die SVP-Gemeindereferentin Angelika Ebner in nicht weniger als zehn Gemeinderatssitzungen über den Stand des Projektes berichtet, drei Mal in einer Bürgerversammlung, immer in Anwesenheit von Mitgliedern der oppositionellen Dorfliste. Alle Stakeholder hatten die Möglichkeit, sich in den Workshops zu beteiligen und die gesamte Dorfbevölkerung konnte sich in zwei Ausstellungen von dem Fortschreiten der Arbeit ein Bild machen. Auch im „Nalser Dorfbattl“ vom Mai und vom September 2023 wurde jeweils ein zweiseitiger Bericht veröffentlicht. Das alles kann man nicht einfach ignorieren, nur weil man es politisch gerade gut gebrauchen kann.
Am 17. März 2025 schließlich stellte Architekt Gross, der im Dezember 2024 den Auftrag zur „Ausarbeitung der technischen und verwaltungsmäßigen Vorgaben zur Ausarbeitung einer technisch wirtschaftlichen Machbarkeitsstudie“ erhalten hat, das Raumprogramm und die Kostenschätzung im Gemeinderat vor. Auch folgte darauf kein „Dringlichkeitsbeschluss“, wie suggeriert wird, sondern ein transparenter Grundsatzbeschluss, der auf der Grundlage der Schulbaurichtlinien und des Organisationskonzeptes der Schule basiert.
Ein weiterer Beleg dafür, dass es der Bürgerliste nicht wirklich um die Schule, sondern vor allem um Polemik geht, ist ihre Kritik an der angeblich mangelnden Finanzierung. Dabei sind die rechtlichen Rahmenbedingungen völlig klar:
Gemeinden können entweder mit einem Projekt zur technisch-wirtschaftlichen Machbarkeit oder mit einem Ausführungsprojekt um einen Landesbeitrag ansuchen. Wer – wie die Gemeinderäte von „Nals Aktiv“ – gegen die Erstellung einer solchen Machbarkeitsstudie ist, verhindert genau das: eine verbindliche Zusage für einen Investitionsbeitrag des Landes.
Und ein solch umfassender Planungsprozess braucht naturgemäß Zeit – auch weil gerade bei öffentlichen Bauprojekten mit pädagogischem Anspruch Gründlichkeit vor Geschwindigkeit gehen muss. Eine seriöse, durchdachte Entwicklung war in diesem konkreten Fall nicht nur sinnvoll, sondern schlicht unverzichtbar.
Die ständige Wiederholung der Unwahrheit, man sei „überrumpelt“ worden, sagt weniger über den Ablauf des Projekts als über die Arbeitsweise mancher Oppositionspolitiker aus. Wer jahrelang mit am Tisch sitzt, inhaltlich eingebunden ist, regelmäßig informiert wird – und sich nun plötzlich „überfahren“ fühlt –, offenbart eine bemerkenswerte Amnesie oder eine bewusste Strategie.
Eine Schule ist zu wichtig, um zur Wahlkampfkulisse degradiert zu werden.